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Zucker aus der Rübe - natürlich vom Feld

Die Zuckerrübe

Der Zucker, den wir kennen, wird aus Rüben gewonnen, die auf dem Feld wachsen. Die Zuckerrübe ist in der Lage die Energie des Sonnenlichtes für die Fotosynthese zu nutzen und dann zu speichern. Aus Kohlendioxid und Wasser baut sie Zucker auf, wobei auch Sauerstoff entsteht, der an die Umgebung abgegeben wird. Der Zucker wird zunächst in den Blättern gespeichert und wandert dann nach und nach in den Rübenkörper. Die Zuckerrübe gehört zu den Pflanzen, die Zucker (Saccharose) direkt speichern können. Sie enthält etwa 17 bis 24 Prozent ihres eigenen Gewichtes an Zucker.

Der Boden

Die Zuckerrübe bevorzugt Standorte mit tiefgründigen, nährstoffreichen Böden, z. B. Lössböden, mit guter Wasserführung. Da die Rübe im Boden wächst, ist die Qualität und sorgfältige Bearbeitung des Bodens von zentraler Bedeutung. Um Krankheiten und Schädlinge zu vermeiden, werden Rüben niemals direkt nach Rüben angebaut. Für gesundes Wachstum achtet der Landwirt auf eine bedarfsgerechte Versorgung des Bodens mit Nährstoffen.

Saat und Wachstum

Im März bzw. April, wenn der Ackerboden abgetrocknet und erwärmt ist, erfolgt die Aussaat mit der Einzelkornsämaschine. In Abständen von 16 bis 23 Zentimetern werden etwa fünf Millimeter große, in runden Pillen eingeschlossene Rübensamen in den Boden abgelegt. Durch die Pillierung werden auf diese Weise aus einem üblicherweise mehrkeimigem Saatgut Einheiten, bei denen aus einem Samen jeweils eine Pfl anze entsteht. Gleichzeitig umhüllen Wirkstoffe gegen Krankheiten und Schädlinge im Boden sowie eine Schutzschicht das Saatgut. Bei günstiger Witterung sind die Rübenpflänzchen nach zwei Wochen auf dem Feld sichtbar. Die Zuckerrübe lockert Fruchtfolgen auf und reduziert dadurch das Risiko für Krankheiten in nachfolgenden Pflanzenkulturen wie z. B. Weizen. Zuckerrüben können aufgrund ihrer tiefen Wurzeln Stickstoffüberschüsse von Vorfrüchten des letzten Jahres aufnehmen. Sie selbst hinterlassen aber wegen ihrer bis in den Spätherbst hinein andauernden Nährstoffaufnahme kaum Restmengen an Nitrat im Boden, sodass dadurch einer Nitrateintragung ins Grundwasser vorgebeugt wird.

Nachdem die gekeimten Samen den Ackerboden durchstoßen haben, sind die jungen Pflanzen weniger empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen. Die Blätter wachsen schneller als der Rübenkörper. Eine Zuckerrübenpflanze bildet bis zu 60 weit ausladende Blätter, mit denen sie das einfallende Sonnenlicht optimal einfangen und für die Fotosynthese nutzen kann. 6 bis 8 % der eingestrahlten Lichtmenge wird in Zucker (Saccharose) umgewandelt. Zucker ist daher ein reines Naturprodukt, das bereits auf dem Feld entsteht. 

Mäuse und Traktoren

Vom Feld in die Zuckerfabrik: Rund 180 Tage nach der Aussaat, etwa Mitte September, können die Zuckerrüben geerntet werden. Moderne Maschinen leisten einen Großteil der Erntearbeit. Sie sind so gebaut, dass ihre breiten Reifen möglichst geringen Druck auf den Boden ausüben. So schonen sie die Struktur des Ackerbodens und verhindern tiefe Fahrspuren. Der sechsreihige Rübenroder entfernt die Blätter, hebt die Rüben aus dem Boden, löst einen Teil der anhaftenden Erde und sammelt sie in einem Vorratsbehälter. Das Rübenblatt verbleibt als Gründünger klein gehäckselt auf dem Feld.

Die geernteten Rüben werden am Feldrand mit einer speziellen Maschine, auch „Rübenmaus“ genannt, nochmals gereinigt und auf Anhänger verladen. Durch das mehrfache Reinigen bleibt der kostbare Ackerboden nahezu vollständig auf dem Feld. Rüben, die nicht sofort in die Zuckerfabrik transportiert werden, verbleiben in so genannten Rübenmieten bis zu ihrem Abtransport am Feldrand. Die Zeit der Zuckerrübenernte und Rübenverarbeitung nennt man Kampagne. Sie beginnt Mitte September und dauert je nach Witterung und Erntemenge bis Mitte Januar.

Ein besonderes Kennzeichen der Zuckererzeugung aus Rüben ist die konsequente Nutzung aller bei der Rübenverarbeitung anfallender Stoffe. Ihre am Prinzip der Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschafts- und Produktionsweise erfüllt die Erwartungen des Umwelt- und Verbraucherschutzes. Viele Landwirte nutzen für ihren Zuckerrübenanbau ein Qualitätssicherungssystem (beispielsweise QS) und lassen sich freiwillig überprüfen.

Zuckererzeugung

In der Zuckerfabrik werden die Rüben in der Rübenwaschanlage gereinigt. Ein Teil des notwendigen Waschwassers entsteht bei der Zuckererzeugung selbst, da die Rübe aus 75 % Wasser besteht. Die gereinigten Rüben werden von Schneidemaschinen zu dünnen Schnitzeln zerkleinert. Diese gelangen dann in Extraktionstürme, in denen heißes Wasser den Zucker aus den Rübenschnitzeln herauslöst. Der dabei entstandene „Rohsaft“ hat einen Zuckeranteil von rund 15 %. Der Rohsaft enthält auch Nichtzuckerstoffe, die mit Hilfe von zugesetzter Kalkmilch und Kohlensäure gebunden und ausgefällt werden. Zurück bleibt eine klare, hellgelbe Flüssigkeit – der Dünnsaft, ihm wird durch Verdampfen nach und nach Wasser entzogen. Bei einem bestimmten Verhältnis von Zucker und Wasser bilden sich schlagartig Zuckerkristalle. Es entsteht ein dickflüssiger Kristallbrei. In Zentrifugen wird der zähflüssige Sirup von den Kristallen abgeschleudert. Weißer Zucker bleibt zurück.

Die entzuckerten Rübenschnitzel werden unter Beifügung von Melasse getrocknet und zu Pellets gepresst. Diese „Melasseschnitzel“ sind ein energiereiches, lagerfähiges Viehfutter.

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