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Frage der Woche - Archiv

Immer wieder berichtet die Presse über Rückstände und Verunreinigungen in der Nahrung. Viele fragen sich „Was kann ich überhaupt noch essen“? Was ist dran an den Meldungen und wer kontrolliert die Sicherheit unserer Lebensmittel?

Eine Frage von A. Wolf, Berlin

Grundsätzlich gilt: Lebensmittel sind heute so gut und so sicher wie nie zuvor. Das ist die übereinstimmende Meinung vieler Experten.  Ab und zu  werden zwar unerwünschte Substanzen gefunden werden, aber die Gehalte sind in der Regel ungefährlich. Dazu zählen Keime, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und anderen Substanzen oder Pilze und deren Gifte. So lagen in den letzten Jahren beispielsweise lediglich rund ein Prozent der Proben deutscher Herkunft über dem Grenzwert für Pflanzenschutzmittel. Weil die Werte mit großen Sicherheitsspannen festgelegt werden, besteht im Normalfall auch bei deren Überschreitung keine Gefahr für den Verbraucher. Problematischer sind hingegen Lebensmittel, die mit Salmonellen oder Staphylokokken belastet sind. Die Medienberichterstattung macht es für den Verbraucher jedoch schwierig, zwischen gefühlten und tatsächlichen Gesundheitsrisiken zu unterscheiden.  

Die amtliche Lebensmittelüberwachung ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Die rund 2 500 Lebensmittelkontrolleure nehmen jährlich circa 400 000 Proben. Beanstandete Ware wird direkt aus dem Verkehr gezogen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert und berät die Überwachung. Die Behörde kommt in ihren jährlichen Berichten regelmäßig zu dem Ergebnis, dass es auf der Basis der bundesweiten Untersuchungen keine Gesundheitsgefährdung durch Qualitätsmängel gibt.

Die Lebensmittelwirtschaft hat auch ein Eigeninteresse an sicherer Ware. Es existieren verschiedene Qualitätssicherungssysteme, die zum Teil die gesamte Produktions- und Vermarktungskette umfassen. Die Unternehmen, die Lebensmittel herstellen, bearbeiten und verkaufen, müssen außerdem genau dokumentieren, welche Rohstoffe sie verwenden oder wohin Produkte weiterverkauft werden. Eventuelle Verunreinigungen können einfacher nachvollzogen und Risiken ausgeschaltet werden.

 

Droht Maismonokultur durch die ganzen Biogasanlagen?

Eine Frage von A. Schulze, Münster

Der Maisanbau hat in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. Während er 2001 bei rund 1,5 Millionen Hektar lag, umfasste er 2011 rund 2,5 Millionen Hektar (Quelle Deutsches Maiskomitee). Zum Vergleich: Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt rund 17 Millionen Hektar. Damit kann nicht von einer Maismonokultur gesprochen werden, auch wenn in manchen Landkreisen der Anbauanteil bei über 50 Prozent liegt.

Der Zuwachs in der Maisfläche wird überwiegend in Biogasanlagen verwertet. 2011 waren es bereits rund 0,7 Millionen Hektar (Quelle Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe). Aber auch Körnermais sowie Silomais für die Tierernährung haben flächenmäßig etwas zugelegt.

Mais ist für die meisten Biogasanlagenbetreiber die wirtschaftlichste Kultur. Sie setzen zudem weitere Kulturpflanzen ein, so zum Beispiel zunehmend Zuckerrüben. Weitere Arten wie Durchwachsene Silphie und Hirse werden zurzeit erprobt und züchterisch weiterentwickelt. Die Zahl der Maisäcker hängt wesentlich von der Verfügbarkeit alternativer Energiepflanzen und den politischen Rahmenbedingungen ab.

Sind Milchprodukte angesichts der hohen Aufwendungen für die Milchproduktion im Kuhstall nicht viel zu billig?

Eine Frage von H. Vogt, Oehna

Niedrige Preise für Milchprodukte erfreuen die Verbraucher, bedeuten aber für die Bauern im Normalfall niedrige Milchpreise und damit schwierige wirtschaftliche Verhältnisse. Das gilt besonders für Bauern, die aufgrund der Böden und des Klimas nur Milchvieh auf ihren Höfen halten können. Die Erzeugerpreise sinken, wenn zu viel Milch auf dem Markt ist und die Abnehmer, u.a. Discounter, die Preise drücken können.

Die Preise für Milchprodukte schwankten in den letzten Jahren erheblich, noch stärker aber waren die relativen Ausschläge beim Milchpreis. Je länger die Verkaufserlöse nicht kostendeckend sind, desto mehr Milchviehhalter steigen aus der Produktion aus. Vor allem kleinere Betriebe, die meist nicht so rationell arbeiten können wie größere und Betriebe mit geringen Literleistungen pro Kuh und hohen Produktionskosten. Die Produktion von Milch ist zeit- und arbeitsaufwendig und umfasst viel mehr als den Melkvorgang. Stallbau, Futtererzeugung, Herdenmanagement, Fütterung, Gesunderhaltung und Hygienemaßnahmen gehören ebenfalls dazu.

Weitere Betriebe werden aufgegeben, weil es keinen Hofnachfolger gibt. Die Zahl der Milchviehhalter ist stark rückläufig. Sie sank von 236 000 im Jahr 1992 auf 89 000 Stück im Jahr 2011 (Quelle Statistisches Bundesamt). Gleichzeitig ist die durchschnittliche Zahl der Milchkühe je Halter von 23 auf 47 gestiegen. Zukunftsorientierte Betriebe halten jedoch deutlich mehr Kühe. Der Trend zu größeren Einheiten ist auch in der übrigen Landwirtschaft festzustellen.

Wieso gibt es in manchen Jahren viele kleine Kartoffeln und in anderen Jahren viele große Kartoffeln?

Eine Frage von K. Huber aus München

Ob große Kartoffeln wachsen, hängt vor allem von der Witterung im Frühjahr und im Sommer ab. Dicke Kartoffeln wachsen nämlich vor allem, wenn die Stauden nach der Pflanzung im Frühjahr zum Beispiel aufgrund von Trockenheit und hohen Temperaturen nur wenige Tochterknollen entwickeln. Werden diese während der Hauptwachstumszeit im Sommer reichlich mit Wasser versorgt, werden sie immer dicker. Das freut die Freunde von Pommes frites, aber stört die Anhänger „idealer“ Speisekartoffelmaße. Frühkartoffeln, die bereits im Mai und Juni geerntet werden, sind hingegen meistens klein bis mittelgroß.

Die ackerbaulichen Fähigkeiten der Landwirte spielen für die Größe eine untergeordnete Rolle, sie sind aber die Basis für hohe Erträge und gute Qualitäten. Neben bedarfsgerechter Nährstoffversorgung unter anderem mit Kalium muss die Pflanze vor Insekten und Pilzkrankheiten geschützt werden. Weil viele Landwirte ihre Kartoffeln nach der Ernte über mehrere Monate einlagern, behandeln sie sie wie rohe Eier.

Wieso haben viele Verbraucher die Meinung, wenn sie einen Landwirt mit der Feldspritze über die Äcker fahren sehen, dass die Bauern unsere Umwelt vergiften...

Wo doch alle Pflanzenschutz-Produkte geprüft, getestet und nach vielen Versuchen erst dann frei gegeben werden für den Einsatz in der Landwirtschaft.

Eine Frage von J. Dirrigl

Die Zahl der Bauern in Deutschland wird immer kleiner. Folgende Statistik verdeutlicht diese Entwicklung: Ein Bauer hat 1960 17 Menschen ernährt, 2010 hingegen schon 132. Immer weniger Mitbürger haben deswegen Kontakt zur Landwirtschaft, immer weniger kennen noch die tägliche Arbeit eines Bauern aus eigener Anschauung. Die Informationen über die Praxis stammen oft aus anderen Quellen.

Deswegen können viele Mitbürger gar nicht wissen, welche Pflanzenschutzmittel auf die Kulturen gesprüht werden, um ihre Ernten zu sichern. Sie haben noch nie davon gehört, welche Auflagen die Mittel erfüllen müssen, damit sie zugelassen werden. Unter anderem auch, dass sie bei ordnungsgemäßer Anwendung weder die Umwelt noch unsere Gesundheit gefährden dürfen. Die Landwirtschaft und die vor- und nachgelagerten Unternehmen und Organisationen sind hier permanent gefordert. Sie müssen sich öffnen und über Ihre Arbeit informieren, um ihren Mitbürger ein realitätsnahes Bild der heutigen Landwirtschaft zu vermitteln.

Warum werden die meisten Tiere in Ställen und nicht auf der Weide gehalten?

Eine Frage von P. Carstensen, Flensburg

Die Mehrheit der Landwirte entscheidet sich für die Stallhaltung von Rindern, Schweinen und Geflügel. Sie hat viele Vorteile: Die Tiere können beispielsweise sehr gezielt gefüttert, genauer kontrolliert und besser betreut werden. Dabei nutzt der Bauer moderne Computertechnik und Maschinen. Er hat somit weniger Arbeit und einen besseren Überblick über seine Tiere. Im Stall sind sie außerdem leichter vor Parasiten, Infektionen wie Schweinepest oder Vogelgrippe sowie räuberischen Tieren zu schützen.

Es gibt zudem nur wenige Betrieben, die ausreichend große hofnahe Flächen für den Auslauf der Tiere hätten. Weidegang ist gegebenenfalls nur in den Sommermonaten möglich. Im Winter müssen die Tiere in den Stall, weil die Flächen dann zu nass sind. Darüber hinaus gibt es weitere Gründe: Weidehaltung von Jungbullen würde ein Risiko für Anwohner und Spaziergänger bedeuten. Die Eierproduktion im Stall ist hygienischer und wirtschaftlicher als in der Freilaufhaltung.

Wenn moderne Ställe den Tieren genügend Platz, Licht sowie frische Luft bieten, sie vor Wind und Wetter schützen und en artgerechtes Verhalten ermöglichen, erfüllen sie die Anforderungen der Tiere. Dann spricht nichts gegen eine ganzjährige Stallhaltung.

Am letzten Samstag habe ich wieder einen Bauern gesehen, der Pflanzenschutzmittel spritzt. Wer überprüft eigentlich deren Sicherheit?

Ein Frage von D. Weber, Neuss

Bereits während der rund achtjährigen Entwicklung prüfen die Herstellerfirmen, ob die Wirkstoffe unbedenklich für Mensch, Tier und Umwelt angewandt werden können. Die entsprechenden Studien müssen den Behörden vorgelegt werden.

In Deutschland sind vier Behörden an der Zulassung beteiligt.

  • Das Julius Kühn-Institut prüft die Wirksamkeit, die Pflanzenverträglichkeit und den Netzen des Mittels.
  • Das Umweltbundesamt überprüft die Auswirkungen auf den Naturhaushalt.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung kontrolliert die Auswirkungen auf Mensch und Tier.
  • Auf Basis der  Empfehlungen der Behörden entscheidet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit letztendlich über die Zulassung.

Dieser Vorgang dauert rund zwei Jahre. Die Zulassung ist die Voraussetzung dafür, dass Landwirte das betreffende Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen. Sie ist zunächst auf maximal zehn Jahre befristet. Spätestens dann muss überprüft werden, ob der Wirkstoff den Anforderungen nach wie vor entspricht. Liegen schon vor Ablauf der Frist neue Erkenntnisse vor, kann die Zulassung gegebenenfalls widerrufen werden.

Wenn der Raps blüht, sieht man häufiger Bienenstöcke am Feldrand stehen. Bringt das den Bauern etwas?

Eine Frage von M. Rattenberger aus Würzburg

Ja, auch die Bauern profitieren von Honigbienen. Die Insekten fliegen von Blüte zu Blüte und bestäuben dabei die Pflanzen. Raps ist eine Kultur, die darauf mit mehr Samen, besserer Fruchtbildung und letztendlich höheren Erträgen reagiert. Je nach Witterungsbedingungen und angebauten Pflanzensorten können Honigbienen die Erträge um 15 bis 30 Prozent steigern. Aber auch andere Insekten wie Wildbienen und Schwebfliegen spielen hier eine Rolle.

Es besteht also eine echte Win-Win-Situation. Hier die höheren Erträge für die Bauern, da der Nektar, der dem Imker rund 40 Kilogramm Honig pro Hektar liefert.

Bienen und andere Insekten sorgen auch bei Obst (Äpfel, Kirschen, Erd-, Brom-, Him- und Johannisbeeren), Gemüse (Kürbisse, Gurken) sowie Heil- und Gewürzpflanzen (Salbei, Thymian) für gute Qualitäten und höhere Erträge.

Wodurch unterscheiden sich Boden- und Freilandhaltung von Legehennen?

Eine Frage von P. Peters aus Hennef

In der Bodenhaltung leben die Legehennen in einem Stall, der sich in Nester, Sitzstangen, Kotgruben und Scharrraum gliedert. Futter und Wasser werden über der Kotgrube angeboten, sodass sich die Tiere dort oft aufhalten und möglichst viel Kot in die Grube fällt.

In der Freilandhaltung muss neben den Ställen, die ähnlich wie in der Bodenhaltung aufgebaut sind, auch ein Auslauf im Freien in der Größe von vier Quadratmetern pro Tier vorhanden sein. Dort benötigen die Tiere Bäume, Sträucher oder Unterstände, um sich vor Feinden wie Greifvögeln zu schützen. Die Kosten sind bei dieser Haltungsform durch höhere Tierverluste, geringere Legeleistung und den größeren Arbeitszeitbedarf höher.

Anhand der Stempel auf den Eiern erkennt man deren Herkunft. Der Code 1-DE-… steht für Freilandeier aus Deutschland, 2-DE-… steht für Eier aus Bodenhaltungseier aus Deutschland. 

Wie viele Brötchen können von dem Ertrag eines Hektars Weizen gebacken werden?

Eine Frage von K. Münchhoff aus Derenburg

In Deutschland sind es im Mittel rund 140 000 Brötchen.

Die Zahl hängt natürlich vom Erntertrag ab, der in Deutschland im mehrjährigen Durchschnitt bei rund 7,5 Tonnen pro Hektar (=10 000 Quadratmeter) liegt. Er schwankt aber je nach Region und Erntejahr zwischen 4 und 12 Tonnen.

Bei der Berechnung ist das Brötchengewicht entscheidend. Hier sind wir von 40 Gramm Mehl pro Brötchen ausgegangen.

Außerdem muss berücksichtigt werden, welches Mehl genutzt wird. Das „normale“ helle Mehl für Brötchen hat die Typenbezeichnung 550 und verfügt über einen Ausmahlungsgrad von 75 Prozent. Das heißt: Aus einem Kilogramm Weizenkörner werden 750 Gramm Mehl gewonnen. Steigt die Typenbezeichnung, kommen mehr Schalenanteile ins Mehl. Es wird dunkler und der Ausmahlungsgrad steigt. Dann können noch mehr Brötchen von einem Hektar gebacken werden.

Sind Bioprodukte besser als andere konventionell erzeugte Lebensmittel?

Eine Frage von R. Braun aus Berlin

Unterschiede in der Qualität lassen sich nicht nachweisen. So ist auch der Gehalt von Nähr- und Ballaststoffen nicht von dem Anbauverfahren abhängig. Zwar sind die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Bioprodukten meist geringer als in konventioneller Ware, jedoch sind auch diese nicht frei von Rückständen. Nach Untersuchungen der Stiftung Warentest gibt es bei Bioprodukten größere Probleme mit Keimen, daher muss hier bei der Verarbeitung und Lagerung sorgfältiger vorgegangen werden.

Warum gibt es Tiertransporte?

Eine Frage von I. Mager aus Hohen-Neuendorf

Tiertransporte sind eine Folge der Spezialisierung. Heute ist die Erzeugung von Fleisch - das heißt Zucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung – meist arbeitsteilig und ein Transport der Tiere unvermeidlich. Für die Tiere bedeutet das Verlassen der gewohnten Stallumgebung Stress. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, die Bedingungen für den Transport so schonend wie möglich zu gestalten. Der Schutz der Tiere beim Transport ist in der Tierschutztransportverordnung geregelt. Diese sieht beispielsweise vor, dass dem Transportunternehmen eine amtliche Erlaubnis vorliegen muss. Hierfür muss der Fahrer einen Sachkundenachweis erbringen. Außerdem regelt die Verordnung einen Mindestraumbedarf für jede Tierart, rutschfeste und absturzsichere Ladeflächen und die Transportdauer, die grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten darf.

Während der Erntezeit, kommt es auch nachts und an Sonn- und Feiertagen zu Lärmbelästigung durch landwirtschaftliche Fahrzeuge. Außerdem werden häufig Wege verschmutzt. Muss das sein?

Eine Frage von S. Jakobs aus Grevenbroich

Leider kann man da nichts machen. Die Landwirte verfügen über Sondergenehmigungen. Sie sind aber angehalten, diese nicht über die Maßen zu strapazieren. Auf der anderen Seite sind die Bauern aber auch wetterabhängig. Das führt dazu, dass sie für die Ernte auch die Sonn- und Feiertage nutzen müssen. Sollten Sie sich in Ihrer Situation sehr beeinträchtigt fühlen, suchen Sie das Gespräch!

Bauen die deutschen Landwirte nur noch Mais an?

Eine Frage von F. Müller aus Lübeck

Nein. Zwar steigt die Anbaufläche durch die Nachfrage von Biogasanlagen in Deutschland an. Trotzdem liegt der Mais (2 111 Tsd. ha) bei der Anbaufläche an Position zwei. Die größte Verbreitung hat Weizen (3 226 Tsd. ha) und auf Platz drei folgt Gerste (1 878 Tsd. ha).

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